Ten
Heute Morgen hat Herr Ipuin Lust auf ein weichgekochtes Ei. Es sieht so aus, als hätte sich die Idee mit den Hühnern in ihm festgesetzt. Also nimmt er sich ein Herz und fragt Frau Winter, als sie ihm sein Ei serviert:
„Was halten Sie davon, liebe Frau Winter, wenn wir uns zwei oder drei Hennen zulegen würden? Gerade so viele, dass Sie stets frische Eier zum Kochen und zum Backen hätten?“
Herr Ipuin kommt sich sehr mutig vor, als er Frau Winter ins Gesicht sieht.
„Und wer kümmert ich um die Hühner und den Hühnerstall?“ fragt Frau Winter, ohne das Gesicht zu verziehen. Herr Ipuin schweigt kleinlaut.
„Jaja, ich weiß schon!“ brummt Frau Winter nach einer kleinen Weile des Schweigens.
„Na gut, aber ich nehme auch das eine oder andere Ei mit nach Hause, ist das in Ordnung?“
Natürlich ist das in Ordnung, Herr Ipuin hätte ihr jeden Wunsch erfüllt, und so ist es beschlossen: ein Hühnerstall wird gebaut, gleich in der Nähe der Gartenhütte, und ein paar Hühner – natürlich auch ein Hahn! – werden angeschafft.
Der Gartenweg aber führt heute Herrn Ipuin in das kleine Wäldchen, das bis in seinen Garten hineinreicht. Ein bemooster Baumstumpf dient als Sitz und hier erwartet ihn schon sein magischer Erzähler.
Ein kleiner Wink zwischen die Bäume versetzt Herrn Ipuin in die nächste Geschichte.
Heute ist was los im Wald - die Kobolde nämlich! Unser Eichhörnchen merkt das sehr bald zu seinem Leidwesen: während es eifrig Walnüsse für den Winter sammelt, schleicht sich so ein Lümmel an und bewirft es mit Zweigen und Nüssen - aber nicht mit guten Nüssen, sondern mit wurmigen! Und da bewahrheitet sich der Spruch: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Denn auf einem Baumast sitzt eine Elster und lacht sich scheckig im wahrsten Sinn des Wortes.
Das Eichhörnchen lässt sich aber nicht beirren: es sammelt weiter und tut so, als hätte es nichts bemerkt. Nach einiger Zeit wird es dem Kobold langweilig und er trollt sich. Auch die Elster verliert die Freude an der Schadenfreude und fliegt weg. Das Eichhörnchen aber ist weiterhin fleißig, bis es eine Menge Nüsse vergraben hat, dann vergönnt es sich ein bisschen Ruhe. Es spannt seine Hängematte zwischen zwei Bäumen aus und legt sich hinein und ist nach kurzer Zeit eingeschlafen.
Nun werden die Koboldkinder aktiv, sie mögen das Eichhörnchen sehr gern und es tut ihnen leid, was der alte Kobold mit ihm getrieben hat. Also fangen sie an, Nüsse zu sammeln und stecken sie in einen Sack, um sie dem Schläfer später zu überreichen. Das macht ihnen Spaß und es gefällt auch den Vögeln, die über ihnen in den Bäumen sitzen und für sie die schönsten Lieder trällern. Ein Hase sitzt dabei und sieht ihnen wohlgefällig zu.
All das verschläft unser Eichhörnchen! Es wird erst wach, als schwere Schritte sich nähern. Schnell springt es aus der Hängematte, lässt sie flink verschwinden und setzt sich mit unschuldigem Blick auf einen Baumstumpf neben dem Weg. Es hat nämlich den Schritt erkannt: das ist der Förster, der seinen abendlichen Rundgang durch den Wald macht.
Der Hase räumt den Weg, er wird erst hinter dem Förster wieder sichtbar, und die beiden Koboldkinder und ihre Freunde verstecken sich hinter einem Baum, von wo aus sie kichernd dem Förster nachsehen.
Dieser geht ruhig seinen Weg, sein Wald ist ganz in Ordnung und so kann er sich vergnügt und beruhigt auf den Heimweg machen.
Nun wird es wirklich Abend und die Vögel im Baum stecken ihre Köpfchen unter die Flügel und schlafen ein. Auch das Eichhörnchen schlüpft in sein Baumnest und die Koboldkinder werden von ihrer Mutter zum Abendessen gerufen.
Und so wird es ganz ruhig im Wald - und wer jetzt hineinginge, hätte keine Ahnung, was sich da alles tun kann!
Herr Ipuin taucht langsam aus dieser Geschichte auf und muss schmunzeln. Aber er ist auch froh, dass es in seinem Wald nicht so neckisch zugeht, er liebt die Waldesruhe. Und so bleibt er noch ein Weilchen auf dem Baumstumpf sitzen, weit weg von Kobolden und Hühnern. Bald jedoch meldet sich sein Magen, er knurrt vernehmlich, und so verfügt sich Herr Ipuin wieder ins Haus, nicht aber ohne Abstecher zur Gartenhütte. Da ist noch alles ruhig und das freut Herrn Ipuin, denn er mag auch ruhige Abende.
Frau Winter empfängt ihn nicht nur mit einem herrlichen Abendessen, sondern auch mit der Nachricht, dass am nächsten Tag mit dem Bau des Hühnerstalles begonnen werden soll. Und auch die Hühner sollten bald danach eintreffen. Auch das ist Herrn Ipuin angenehm, kein Hahnenschrei beim ersten Morgenlicht, noch nicht, jedenfalls.
Und im Regal findet sich auch wieder ein neues Kästchen.
Herr Ipuin ist rundherum zufrieden und glücklich.
